DIE GEDANKEN SIND FREI. SIE MACHEN WAS SIE WOLLEN.

AUCH VOR DEN WERKEN VON ULFERT JANSSEN

Triptychon – Asymptote:  Ausstellung im Tokyo Metropolitan Art Museum

Texte: Michael Sieben (Autor/Kunstkritiker)

Die Werke Ulfert Janssens sind in einem guten Sinne außergewöhnlich und eigenartig.
Beim Betrachten seiner Bilder, beim Lesen in der Geschichte der Kunst und beim Kritisieren (das ja die Bedeutung „unterscheidendes Denken“ hat) wurde mir bewusst, dass der Künstler an einem großen Zusammenhang arbeitet. Aus STAHL und HOLZ, WASSER und FEUER, technischem Gerät und Pinsel, FARBEN und dem Faktor ZEIT. Kunstwerke, die durch ein solches Chaos gehen, bevor sie ihre Form finden, schenken unseren Augen aufregende Schönheiten. Und unseren Gedanken schöne Aufregungen.

– Vor diesem Triptychon Ulfert Janssens fällt mir der Gedanke eines deutschen Philosophen ein: Architektur ist gefrorene Musik. 

– Manchmal lösen Blicke auf dieses Triptychon Unruhe und Nervosität aus.

– „Denken kommt aus temperamentvollem Sehen“  (Hugo Oswald)

– Solange wir uns vor einem Kunstwerk nicht sicher fühlen, sind wir lebendig.

– Nicht wie ein vegetabiler Wachstumsprozess sieht der Rost aus. Eher wie ein Prozess, der mit den Zeiten spielt: mit Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Von den alten Babyloniern erzählt man sich, sie würden nach hinten zeigen,
wenn man sie nach der Zukunft fragt.

– Das Wasser hat ungeheure Kräfte. Manchmal arbeitet es mit besonderen Mitteln. Mit den Schönheiten seiner Wellenlinien. Mit den unendlichen Kräften der Bewegung. Und mit dem Rost.

– Wie verwandelt sich Zeit in Struktur, und Struktur in Zeit? Wie entsteht eine Allegory, und warum dauert sie an? (Joel Fineman)

– Auf den Bildern Ulfert Janssens tragen die besondere Konsistenz und die braun-erdigen Farbtöne eine große Verantwortung, die mich an einen Satz der Schriftstellerin Virginia Woolf erinnert: Wie gut, dass sich „die Finger des Todes von Zeit zu Zeit auf den Tumult des Lebens legen, damit es uns nicht zerreißt.“

SPURENSICHERUNG. Ein Wort aus großem Ernst. Und unverzichtbar für so viele Aufgaben im Leben. Sich an großen Vor-Bildern der Geschichte der Kunst orientieren + oder davon einiges wissen. Für Künstler, auch für Ulfert Janssen, ein wunderbarer Weg zur Eroberung eines eigenen Stils.

Der Maler Paul Cèzanne (1839 – 1906) soll einmal zum Schriftsteller Emil Zola (1840 – 1902) gesagt haben: „Ich wollte die Natur kopieren. Aber es ist mir nicht gelungen. Ich habe gemerkt, dass man die Sonne in einem Kunstwerk nicht reproduzieren kann. Deshalb habe ich mich damit zufrieden gegeben, in meinen Bildern die Sonne zu repräsentieren.“
Vielleicht hat Ulfert Janssen eine vergleichbare Erfahrung gemacht. Er hat das so moderne und kalte Material Stahl den Kräften der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt.
Und mit Hilfe des entstehenden Rosts wird die Kraft des Wassers repräsentiert.

Asymptote (æs.ɪm.təʊt): wobei sich zwei Sätze verwandter Elemente annähern, sich aber nie schneiden.

Abgeleitet vom griechischen Wort „asumptōtos“, was „nicht zusammenfallen“ bedeutet. – Asymptote stellt ein Konzept dar, bei dem „verwandte Elemente nahe beieinander liegen, aber nie wirklich eins werden, und sie getrennt in Richtung Unendlichkeit gehen“.

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Ausstellung:

2023 Mai – Evolve Conceptual Art Exhibition Vol.1 – Tokyo Metropolitan Art Museum